Der Gebäudebeurteilung wird beim Reitpferd im Amerikanischen und Englischen Raum allgemein mehr Bedeutung zugemessen als bei uns. So lassen sich Pferde mit geringgradigen, aber offensichtlichen Gebäudeschwächen hier sehr viel schlechter vermarkten als das vermeintlich fehlerlose aber unspektakuläre Durchschnittspferd. Man kann sich also viel Zeit und Mühe sparen indem man diesen Kunden auch entsprechend vorselektierte Pferde präsentiert. Eindringlich warnen möchten wir davor, Preisangaben dem anfragenden Interessenten anzupassen. Nicht jeder Amerikaner ist automatisch steinreich, genauso wie nicht jeder Deutsche alle sieben Tage sein Auto wäscht. Aufgrund der knallharten Marktwirtschaft sind gerade Kunden amerikanischen Ursprungs ausgesprochen preisbewußt, kalkulieren gern alle Kostenfaktoren mit ein und sind beim Pferdekauf erstaunlich sachlich, obwohl noch stärker als in Europa Pferdekauf Frauensache ist. Darüber hinaus sollten Züchter wissen, dass jeder Art von Noten im Ausland vielfach mehr Bedeutung beigemessen wird als hierzulande. Oder wissen sie aus dem Kopf die Stutbuchaufnahmenoten ihrer Zuchtstuten?
Gerade die mit Warmblütern unerfahrenen Kunden orientieren sich sehr stark an allem was objektivierbar erscheint. So erreichen uns vielfach Kaufanfragen in denen Stuten ab einer Stutbuchbewertung von 8 aufwärts oder Hengste mit einem HLP-Index von xyz gesucht werden. Kulturelle Unterschiede sehen wir selbstverständlich auch im Reiten selbst. So werden sie kaum einen Franzosen finden, der sich großartig über Mauligkeit eines jungen Pferdes beschweren würde während eine vom Vollblüter kommende US-Amazone einen Durchschnittswarmblüter unter Umständen faul und träge finden wird zumal dann, wenn dieser es gewohnt ist, jeden Schritt explizit per vorwärtstreibender Hilfe angewiesen zu bekommen und eine Anlehnung von etwa 20 Kilogramm normal zu finden.